Talk im Deutschen Architektur Zentrum Berlin

Erhalten, pflegen, reparieren

Praeger Richter Architekten, THERMOHAUS, Klimagerechte Low-Tec Aktivierung eines baufälligen Hauses, 2018

Das Bewusstsein wächst, dass unsere Kultur des Abreißens und Neubauens eine fehlgeleitete Entwicklung der konsumgetriebenen Industriegesellschaften ist. In Zukunft muss zum Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen mehr repariert, wieder- und weiterverwendet werden. Das Deutsche Architektur Zentrum DAZ in Berlin veranstaltet am 7. Juni einen Talk unter dem Titel „Achtung des Bestands“ in der Gesprächsreihe „Wir wollen machen!“, bei dem Architekten über das Potential des Weiterbauens sowie ihre eigenen Projekte sprechen. Pascal Hentschel (in situ, Zürich), Nils Nolting (Cityförster, Hannover) und Henri Praeger (Praeger Richter Architekten, Berlin) diskutieren mit Matthias Böttger, dem künstlerischen Leiter des DAZ; zudem sind drei Projektpräsentationen der teilnehmenden Büros zu sehen.

Praeger Richter Architekten, THERMOHAUS, Klimagerechte Low-Tec Aktivierung eines baufälligen Hauses, 2018

Neben dem Talk wird an diesem Abend auch eine Sammlung von mehr als hundert Projekten und Visionen vorgestellt, die „jenseits der bekannten Lösungen mit Wärmedämmverbundsystem helfen, ‚das Raumschiff Erde‘ auf Kurs zu halten“. Die Projekte sind Ergebnis des Call for projectsHouston, we have a problem”, der Ende 2018 vom BDA, dem DAZ und der Zeitschrift der architekt gestartet wurde. Die Projekte von in situ, Cityförster und Praeger Richter Architekten, die beim Y-Table-Talk vorgestellt werden, sind bis zum 30. Juni 2019 im DAZ ausgestellt.

Elp

Wir wollen machen! Achtung des Bestands
Y-Table-Talk mit Pascal Hentschel, Nils Nolting und Henri Praeger
7. Juni 2019, 19.00 Uhr
Deutsches Architektur Zentrum DAZ
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, 2. Hof
10179 Berlin-Mitte

Foto: in situ, Fotograf: Martin Zeller

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Ein Gedanke zu „Erhalten, pflegen, reparieren

  1. Im Bauwesen der Zukunft weiterzuwachsen ist sehr erstrebenswert, sowohl in Entwurf und Realisierung von schadlos und vollständig nachhaltig in Recyclingprozesse integrierbaren Bauwerken, als auch in der Diskussion um die maximale Standdauer von Architektur, wie zum Beispiel im Kirchenbau. Insbesondere die Simplifizierung von komplexen Entwurfsstrukturen zur Schaffung zeitlos klassischer und langfristig überlebensfähiger Formen sollte die Entwurfsarbeit des Architekten bestimmen. Maßnahmen zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks von Architekten werden für zwingend notwendig gehalten, da die gesamte beanspruchte Realität von Bauwerken der menschlichen Kultur durch Architekten bestimmt wird. Nicht der individuelle Gestaltungswille des Künstlers, sondern Verantwortungsbewusstsein unseren Nachkommen gegenüber sollten deswegen Formfindungsprozesse determinieren, hin zu wiederverwendbaren Elementen. Um unsere Architektur nachhaltig vollständig in geschlossene Stoffkreisläufe zu integrieren müssen wir lernen, Elementbauweisen einzuführen, welche den obligatorischen Haufen Müll und Sondermüll bei Abriss eines Hauses, aus den verschiedensten Gründen, überflüssig machen. Ich bin nicht der Ansicht, dass dies eine Entkarbonisierung erfordert, ein entfallender Strukturstahl bringt unlösbare statische Probleme mit sich. Vielmehr sollte der Stahl sortenrein als hochfest rostfreies Baumaterial wiederverwendbar oder durch Einschmelzung rezyklierbar sein. Bei der Gewinnung von Baumaterialien sollte der Schutz von Natur oberstes Gebot sein, keinesfalls dürfen wir für deutsche Bauwerke Regenwälder zur Kalkgewinnung abholzen, leider tun wir dies noch. Bei intelligent konzipierter Materialwirtschaft insbesondere des Stahls ist eine endlose Rezyklierbarkeit realisierbar, die Schürfung von Erzen kann eigentlich schon jetzt entfallen, wenn endlich die Schrottbeimischungen und andere Sorten in der Schmelze entfallen.

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