neu im club

Björn Martenson, AMUNT, Aachen

In der neuen Rubrik „neu im club“ werden auf vier Druckseiten neu in den BDA berufene (junge) Architekturbüros vorgestellt. Pro Heft wird die Arbeit eines Büros beleuchtet. Die Rubrik tritt die Nachfolge von „das beispiel“ an, das ausgesuchte Bauwerke von BDA-Architekturbüros vorstellte.

Gemeinsam unvoreingenommen

Einige Bauten des Büros AMUNT sind im Laufe des letzten Jahres vielfach publiziert und besprochen worden. Sowohl der Pavillon, der die Begegnungs- und Trauerstätte im Friedhofspark Düren aufnimmt, mit seinen drei grundverschiedenen Räumen unter einem Dach, ebenso das jüngst mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnete Wohnhaus „JustK“ in Tübingen und wohl vor allem die „Schreber“ titulierte Erweiterung eines Wohnhauses in Aachen, haben dem jungen Büro einige Aufmerksamkeit eingebracht. Letzteres war eines der Projekte, die das Kuratorenteam um Muck Petzet als Deutschen Beitrag auf der letztjährigen Architekturbiennale in Venedig gezeigt hat.

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Foto: Filip Dujardin

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Foto: Filip Dujardin

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Foto: Filip Dujardin

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Foto: Filip Dujardin

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Abb: AMUNT

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Abb.: AMUNT

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Foto: Filip Dujardin

AMUNT, Schreber, strukturelle und energetische Sanierung, Aachen 2011; Foto: Filip Dujardin

Zwei Dinge fallen dabei auf: Zum einen die uneinheitliche Formensprache dieser drei Projekte – betrachtet man die anderen Projekte des Büros, verfestigt sich dieser Eindruck der Vielfältigkeit –, zum anderen das geteilte Echo, das auf die Veröffentlichung der Bauten erfolgte: nahezu ebenso groß wie das Lob war auch die Kritik. Zu wenig Haltung, eine fehlende formale Einheit und keine nachvollziehbare architektonische Haltung wurde den Architekten vorgehalten – vor allem in Internetforen, wo Pöbelei stets schnell und oft unsachlich zu Stelle ist.

Tatsächlich spricht sich Björn Martenson, Gründungspartner des Büros und im vergangenen Jahr in den BDA berufen, auch bewusst gegen den Begriff „Prägung“ aus, ließe er ihn doch „…an  Prägestempel denken, und daran, dass man damit jemandem etwas anderes aufdrückt.“ Schon während seines Studiums an der RWTH habe er so auch nicht im klassischen Sinne bei einem bestimmten Lehrer studiert, sondern Entwürfe an unterschiedlichen Lehrstühlen vor allem deswegen bearbeitet, weil ihn das jeweilige Thema gereizt habe, nicht aber, weil die Entwurfsaufgabe von einem Lehrstuhl oder einem bestimmten Lehrenden gestellt wurde. Zwar habe er immer wieder den Rat eines Professors gesucht, laut eigener Auskunft den von Mirko Baum, dies allerdings vor allem wegen der Denkweise Baums, nicht etwa wegen seiner formalen Haltung als Konstrukteur und Entwerfer.

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010 Foto: Brigida González

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010 Foto: Brigida González

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010 Foto: Brigida González

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010 Foto: Brigida González

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010; Abb.: AMUNT

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010; Abb.: AMUNT

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010; Foto: AMUNT

AMUNT, Pavillon im Friedhofspark Düren, 2010; Foto: AMUNT

In Zusammenarbeit mit Sonja Nagel und Jan Theissen in Stuttgart werden laut Martenson bei AMUNT die Projekte infolge der Erfahrungen während des Studiums in steter Unvoreingenommenheit und gemeinsam entwickelt. Innenarchitektonisches und Designobjekte werden vor allem in Stuttgart bearbeitet, alles den Hochbau betreffende jedoch immer zusammen geleistet – je nachdem, wer näher am oder gar vor Ort ist, übernimmt die Bauleitung.

Dabei ist eine klar wiedererkennbare Formensprache weder beabsichtigt noch erwünscht. Man habe, so Björn Martenson, den Willen, bei jedem Projekt unvoreingenommen die Lösung zu finden, die als die angemessenste empfunden wird. Diese Angemessenheit bezieht sich für den Architekten dabei nicht nur auf den Entwurf, sondern auch auf Materialien und Baukosten. Überteuerte und überbordende Villenprojekte, wie gemacht für die Publikation in Hochglanzmagazinen, fallen damit weg – sie werden gar als vulgär und unzeitgemäß erachtet.

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Foto: Brigida González

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Abb.: AMUNT

AMUNT, JustK, Tübingen 2010; Abb.: AMUNT

Das Thema der Angemessenheit ist ganz sicher eines, das der Architektengeneration, die um 1960 und später geboren ist, am Herzen liegt – dies ist an den Projekten des Büros auch ablesbar: ‚angemessen’ viel Raum für eine Familie etwa – wie beim Wohnhaus „JustK“, noch dazu kostengünstig als Massivbau mit Kreuzlagenholzplatten ausgeführt und auf lange Sicht in zwei Einheiten teilbar. Man mag über die formale Ausprägung der Architektur trefflich diskutieren können, aber diese inneren Parameter stimmen. Oder das vielzitierte Projekt „Schreber“, bei dem der Bestand formal recht uneitel ins Heute übersetzt wird, in dem der Klinkerbau durch einen Bims-Leichtbetonstein weitergeschrieben wird. Ein Mehr an Wohnraum entsteht hier, ohne dass die Architekten eine selbstgefällige, über die Maßen gestaltete Geste hinterlassen.

Die Diskussion darüber, wie solch eine entwerferische Grundhaltung zum Begriff „Baukultur“ passt, erhofft sich Martenson auch von seiner Mitgliedschaft im BDA. Während des Studiums habe er, wie viele seiner Kollegen, den Verband und seine Bestrebungen nicht wahrgenommen, berichtet er im Gespräch. Und auch jetzt, als Mitglied, sei ihm das Grundverständnis einiger oft benutzter Begriffe, „die Kultur des Bauens“ betreffend, unklar und unscharf umrissen. Björn Martenson hofft auf eine intensivere Unterhaltung darüber, was Baukultur tatsächlich sein kann – auch und gerade in Bezug auf den BDA und seine jungen Mitglieder.
David Kasparek

www.amunt.info

Kleinod, Gartenlaube, Aachen 2010; Foto: AMUNT

Kleinod, Gartenlaube, Aachen 2010; Foto: AMUNT

Kleinod, Gartenlaube, Aachen 2010; Foto: AMUNT

Kleinod, Gartenlaube, Aachen 2010; Foto: AMUNT

AMUNT, DrH9, Entwurf, Aachen 2011, Foto: AMUNT

AMUNT, DrH9, Entwurf, Aachen 2011, Foto: AMUNT

AMUNT, DrH9, Entwurf, Aachen 2011, Abb.: AMUNT

AMUNT, DrH9, Entwurf, Aachen 2011, Abb.: AMUNT

 

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