tatort

Das Haus des Duftes

Auch in dieser Ausgabe suchen wir ein Bauwerk, das eine besondere Rolle in der Architekturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können per Post, Fax oder E-Mail an die Redaktion gesandt werden. Unter den Einsendern der richtigen Antwort verlosen wir den Katalog zur Ausstellung „Otto Bartning (1883–1959). Architekt einer sozialen Moderne“. Einsendeschluss ist der 17. Juli 2017.

Bergamotte, Zitrone und Orange, Lavendel, Rosmarin und Pomeranze: Diese Duftnoten liegen der Rezeptur für ein „aqua mirabilis“ zugrunde, die angeblich ein Kartäusermönch einem rheinischen Kaufmann am Ende des 18. Jahrhunderts zur Hochzeit geschenkt haben soll. Der Beschenkte brachte die legendäre Wunderwasser-Mixtur zur Produktionsreife. In den nächsten hundert Jahren entwickelte sich aus dem Hausbetrieb eine Parfüm- und Seifenfabrik mit weltweiter Bedeutung. Nachdem deren Fabrikgebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, errichtete der Geruchsmittel-Hersteller fünf Jahre nach Kriegsende unter Verwendung älterer Gebäude eine neue Fabrik im Norden seiner Heimatstadt.

Nach Plänen eines vielbeschäftigten einheimischen Architekten entstand unter anderem ein ungewöhnliches Lager- und Versandgebäude, dessen Rundung an Bauten Erich Mendelsohns und Gestaltungsformen der „streamline-decade“ erinnert. Die runde Form erleichterte die Logistik und besonders die Benutzung der Laderampe, die mit einem weit auskragenden, als Zementgitterstruktur mit Glasbausteinen gebildeten Vordach die markante Form des Baus bestimmt. Das Gebäude ist als Stahlbetonskelett mit Vorhangfassade ausgeführt, die in den Geschossen über der Ladezone vollständig verglast ist und mit einem filigranen Sprossenwerk aus eloxiertem Messing und einem umlaufenden Fries aus türkisblau gefärbten Glasplatten an die Hausfarben der Produktmarke erinnern. Selbst die Rasterbreite des Hauses bezieht sich auf die zur Zeit der französischen Besatzung der Stadt als Konskriptionsnummer vergebene Bezeichnung des Stammhauses, die auch zum Namen des wichtigsten Duftstoffes der Firma geworden ist.

Nachdem die Produktion an dieser Stelle in den frühen 1990er Jahren stillgelegt wurde, wurden die meisten der Betriebsgebäude unter Denkmalschutz gestellt, saniert und für Wohn-, Büro- und kreative Zwecke behutsam umgebaut. Dabei wurde insbesondere die Fassade des Versandgebäudes rekonstruiert und erneuert. Vor wenigen Jahren erwarben zwei international tätige Fonds- und Immobilienentwickler mit Sitz in Großbritannien und Luxemburg in einem „joint venture“ das Gelände mitsamt zwölf Gebäuden. Bis 2019 sollen hier „attraktive Angebote für Büros, Wohnungen und den Einzelhandel“ entstehen. Wann und wo entstand der „tatort und wer war sein Architekt?

Foto: Andreas Denk

Foto: Andreas Denk

Der „tatort“ der Ausgabe 2/17 war der 115 Meter hohe Hotelturm in Augsburg, den der Investor Otto Schnitzenbaumer durch die Architekten Reinhard Brockel und Erich Müller 1971/72 zur Olympiade in München entwerfen ließ. Der Turm erinnert an die nahezu baugleichen Zwillingstürme der Marina City in Chicago, die nach Plänen von Bertrand Goldberg 1964 fertiggestellt wurden. Gewinner des Buchpreises ist Chris Neuburger aus Ingolstadt. Die Gewinner der Freikarten für die Bartning-Ausstellung wurden benachrichtigt.

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