Symposium an der TU Berlin

Architektur denken

Walter Benjamins „Passagenwerk“, Martin Heideggers „Bauen Wohnen Denken“ und Maurice Merleau-Pontys phänomenologische Ansätze sind nur ein paar Beispiele von Schriften, die sich mit Architektur auseinandersetzen und von Philosophen verfasst wurden. Sie bewirkten eine Neuausrichtung des philosophischen Denkens. Ihnen und weiteren architekturphilosophischen Ansätzen widmet sich nun das international besetzte Symposium ArchitekturDenken an der TU Berlin.

Ausgangspunkt für die Organisatoren am Fachgebiet für Architekturtheorie ist die Beobachtung einer in den letzten Jahren zunehmenden Auseinandersetzung  mit Architektur in den Geisteswissenschaften, aber auch in benachbarten Disziplinen wie der Soziologie. Bisher, so heißt es im Ankündigungstext des Symposiums, fehle jedoch „eine integrale Form architekturphilosophischer Reflexion, die der Rolle der Architektur als jene zentrale, kulturelle Praxis gerecht würde, mit der sich der Mensch eine für seine sich gleichbleibenden und wandelnden Bedürfnisse ihm einzig angemessene, von der reinen Natur verschiedene Umwelt erschafft.“ Auch fehle eine Klärung des Bezugs zur – oder der Abgrenzung von – Architekturtheorie, die mehr auf die Realisierung von architektonischen Konzepten orientiert sei. Letztlich gehe es darum, all die philosophischen Ansätze zur Architektur zu einer eigenständigen Disziplin der Architekturphilosophie zusammenzufassen.

„Weder die Unterordnung der Architekturphilosophie als Hilfswissenschaft unter eine praxisorientierte Architekturtheorie, noch die an der aktuellen Situation der architektonisch-lebenspraktischen Bedürfnissen vorbeigehende, ästhetische Reflexion wird der Tatsache gerecht, die sich mit Friedrich Nietzsche anbahnte: Die gebaute Umwelt – Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung, aber auch verschiedene Formen der Alltagskultur, Ökologie und der materiellen Welt eingeschlossen – muss als das entscheidende Medium philosophischer Erkenntnis aufgefasst werden.“

Mit dem Vorsatz, diese Lücke im wissenschaftlichen Diskurs zu schließen, gaben Jörg H. Gleiter und Ludger Schwarte kürzlich eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Architektur und Philosophie“ im Transcript-Verlag heraus, die beim Symposium ebenfalls präsentiert wird. Es sprechen unter anderem Günter Abel zu „Different types of knowledge in architecture“; Hannes Böhringer, immer auf der Suche der „Einfachheit“ in der Kunst, betrachtet Architektur ausgehend von einzelnen Elementen („Zum Beispiel die Tür“) und Petra Lohmann spricht zu „Konzepten des Selbstbewusstseins und des Individuums in Architekturtheorie und Philosophie am Beispiel der Fichte-Rezeption des frühen Schinkel“. Das vollständige Programm ist auf der Website zum Symposium einsehbar.

Red.

ThinkingArchitecture: Theory and Philosophy of Architecture
in englischer Sprache
29. Mai und 30. Mai 2015
Eintritt kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info@architekturtheorie.tu-berlin.de

Technische Universität Berlin
Forum im Architekturgebäude
Straße des 17. Juni 152
10623 Berlin

Publikation:

Gleiter, Jörg H. / Schwarte, Ludger (Hrsg.): Architektur und Philosophie. Grundlagen, Standpunkte, Perspektiven, Transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2464-9

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