Diskussion über postmoderne Architektur im DAZ

Neubewertung?

In der Architekturgeschichte gibt es die Theorie von der ungeliebten Vorgeneration. Grob gesprochen besagt sie, dass Bauten, die in der Zeit der eigenen Sozialisation prägend und neu waren, von den aktuell Bautätigen im besten Fall ignoriert, im schlimmsten Fall aber gehasst werden. Erst eine Generation später wird diese verunglimpfte Phase des Bauschaffens einer Revision unterzogen. Neben dem Brutalismus der späten 1970er und -80er Jahre, der unter anderem in Berlin mit dem Umzug der Galerie Johann König in die ehemalige Kirche St. Agnes von Werner Düttmann gefeiert wird, ist von diesem Effekt seit rund drei Jahren auch die Postmoderne betroffen. Die Zeitschrift Arch+ etwa hat die Aufzeichnungen des DAM-Gründers und Postmoderne-Vorkämpfers Heinrich Klotz in wunderbarer Form publiziert und dem Diskurs öffentlich zugänglich gemacht. Im DAM selbst ist unter Ägide des Kurators Oliver Elser die Ausstellung „Mission Postmoderne“ eine Schau zu Baustil, Epoche und Klotz entstanden. Elser ist auch der Kopf hinter der Facebook-Gruppe „Postmodernism Appreciation Society“, die sich regem Zulauf ebenso erfreut wie einem steten Strom von Bild-postings unterschiedlicher postmoderner Fundstücke. Kurz: Es scheint, als sei die Postmoderne zurück.

Auch in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift frieze legt Oliver Elser sein Interesse an der Postmoderne dar: „Wer heute mit Architekten spricht, findet niemanden, der sich positiv auf die postmoderne Architektur bezieht. Die Epoche wird so leidenschaftlich gehasst, wie die Architekten der Moderne den Historismus des 19. Jahrhunderts verabscheut haben.“ Und so fragt er, ob diese Ablehnung nicht paradox sei angesichts der „anhaltenden Steinzeit der Berliner Architektur?” Das zugleich stattfindende und anfangs geschilderte Revival der Postmoderne ist für ihn Grund genug, eine Diskussion im DAZ abzuhalten, die unter anderem Qualitäten der „pop- achitecture“ von Denise Scott Brown und Robert Venturi bis Hans Hollein beleuchtet wie auch die Wiederentdeckung des postmodernen Manierismus. Elser, Kurator am DAM in Frankfurt, spricht am 31. März ab 19 Uhr mit dem Architekten Wilfried Kuehn, Kuehn Malvezzi, der 2014 die Mönchengladbacher Ausstellung über Hans Hollein mitkonzipierte.

Dka.

Postmoderne Architektur – Zeit für eine Neubewertung?
Gespräch mit Oliver Elser und Wilfried Kuehn
31. März, 19.00 Uhr
Deutsches Architekturzentrum DAZ
Köpenicker Straße 48/49
10179 Berlin
2. Hinterhof

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