Buch der Woche: Countryside. A Report

Wo sind die Kühe hin?

Das 21. Jahrhundert erzeugt Stadt-Land-Hybride, die sich mit traditionellen Definitionen nicht mehr fassen lassen. Die chinesische Stadt Shouguang beispielsweise ist von einer schier unendlichen Landschaft aus Gewächshäusern umgeben, deren Betreiber in Hochhäusern wohnen – und das Tahoe Reno Industrial Center in Nevada (USA) ist mit den riesigen Hallen der ansässigen Technikkonzerne so groß wie eine Metropole, aber beinahe menschenleer. Mit … Mehr lesen

Buch der Woche: Mies van der Rohe – ein visionärer Architekt

Frauenheld, Trinker, Architekt

Agustín Ferrer Casas hat nach eigenem Bekunden seit seiner Kindheit Comics gezeichnet und an Wettbewerben teilgenommen. Irgendwer muss dem jungen Agustín aber wohl eines Tages eingeflüstert haben, lieber „etwas ordentliches“ zu lernen, sodass der in Pamplona geborene Casas Architektur studiert, als Architekt arbeitet und dieses Fach schließlich auch an der Universität von Navarra unterrichtet. Das Comiczeichnen hat er dennoch nicht … Mehr lesen

Buch der Woche: Marke Bauhaus 1919–2019

So sehen Sieger aus

Was war das für ein Jahr, 2019? Das Bauhaus wurde einhundert Jahre alt. Neben dem Bauhaus-Archiv in Berlin, das erweitert wird, bekamen Weimar und Dessau museale Bauhaus-Neubauten. Unzählige Bücher wurden publiziert. Oft ergingen sie sich im Lobpreis dieser Gestaltungsschule, oft gefielen sie sich im Verriss des Gründers Walter Gropius. Was sie einte, war die mythologische Betrachtung des Bauhauses. Im Jahr … Mehr lesen

Buch der Woche: Das Massiv der Namen

Gesamteuropäisches Erinnern

In diesen Tagen jährt sich jenes Treffen zum 78. Mal, bei dem 15 hochrangige Repräsentanten von SS-Behörden und nationalsozialistischer deutscher Reichsregierung die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten beschlossen. Diese Zusammenkunft ging nach dem Zweiten Weltkrieg als Wannseekonferenz in die Geschichte ein: als jener kaltblütige Auswuchs, den Hannah Arendt 1961 in Bezug auf den ehemaligen SS-Obersturmbannführer … Mehr lesen

Führungen über Zollverein und Rammelsberg

Politischer Industriebau

Wegen ihres unklaren Verhältnisses zur Moderne zieht die Industriearchitektur im Bauhaus-Jubiläumsjahr besondere Aufmerksamkeit auf sich. War sie Anfang des 20. Jahrhunderts zukunftsweisender Wegbereiter des Neuen Bauens, diente sie vielen Architekten im „Dritten Reich“ dem Rückzug in ein politisch vermeintlich unbelastetes Arbeitsfeld. In diesem Spannungsverhältnis ist auch das Schaffen von Fritz Schupp und Martin Kremmer zu sehen. Ab 1922 bauten sie … Mehr lesen

Buch der Woche:

Schwimmbäder

Im diesjährigen Sommer jagt ein Hitzerekord den nächsten. Da erscheint für einige das türkisblaue Chlorwasser öffentlicher Schwimmbäder so verlockend wie nie. Für all die Architekturaffinen, die sich selbst nicht ins kühle Nass stürzen können, empfehlen wir die neue Publikation „Schwimmbäder“ von Matthias Oloew, die sich mit der 200-jährigen Geschichte des Bäderbaus beschäftigt. Es liege „einiges im Argen“ bei der „Betrachtung … Mehr lesen

ZfBK Dresden zeigt Architekturfilme

Haus Tugendhat

Die Filmgalerie Phase IV und das Zentrum für Baukultur Sachsen zeigen in ihrer Reihe „Architektur im Film“ am 17. April Dieter Reifarths Produktion „Haus Tugendhat“ von 2013. Der Dokumentarfilm präsentiert die spannende und teils tragische Geschichte um die im tschechischen Brno gebaute spektakuläre Villa von Mies van der Rohe. 1928 bis 1930 für die jüdische Familie Tugendhat entworfen, wurde das … Mehr lesen

Elina Potratz

Bauhaus Archäologie

Das Bauforschungsarchiv in Dessau Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die teilzerstörte ikonische Stahl-Glas-Vorhangfassade des Bauhausgebäudes in Dessau durch eine kasernenartige Lochfassade ersetzt. Erst in den 1960er und 1970er Jahren wurde der Bau saniert und damit stückweise in das ursprüngliche transparente Erscheinungsbild zurückversetzt. Bei diesen, auf das äußere Bild fixierten Umbauten wurde jedoch auch ein beachtlicher Teil der noch erhaltenen Original-Substanz … Mehr lesen

Buch der Woche: Albert Speer

Von scheinheiligen Leichtgläubigen

Über Jahrzehnte hinweg galt Albert Speer, Hitlers Hofarchitekt und späterer Rüstungsminister, in der Öffentlichkeit als der Vorzeige-Nazi, der als unpolitischer Mitläufer von den Verbrechen des Nationalsozialismus nur „eine vage Ahnung“ gehabt haben sollte und sich, vormals verführt von Ideologie und beruflicher Erfüllung, nun endlich geläutert und reuig zeigte. Grundlage dieser Sicht waren in erster Linie seine eigenen, während der 20-jährigen … Mehr lesen

Buch der Woche

Entdekorierung

Eduard Führ seziert Cäsar Pinnau – und architekturtheoretische Begrifflichkeiten Dieses Buch über den Hamburger Architekten Cäsar Pinnau (1906-1988), ist eine längst überfällige „Entdekorierung“ vom Architektennimbus und von glorifizierenden Werkverzeichnissen am konkreten Beispiel. Der Titel mag auf den ersten Blick etwas gestelzt klingen: „Identitätspolitik. ‚Architect Professor Cesar Pinnau‘ als Entwurf und Entwerfer“, triff aber zielgenau die Intention dieses Buches. Es ging … Mehr lesen