Bücher der Woche: Herzog & de Meuron

Umfänglich

Mitunter ist es gut, Dinge ein wenig reifen zu lassen, ihnen Ruhe zu geben. Mit Büchern ist das oft auch so und eine Art Lackmustest für ihre Inhalte. In der Fülle architektonischer Werkmonographien sind mehrere Werke zu finden, die im Moment des Erscheinens ob ihrer Aktualität oder zeitgenössischen Aufbereitung einen gewissen Reiz haben, genau diese Attraktion aber im Laufe der Zeit verlieren, nicht nachreifen. Bei der beeindruckenden monographischen Serie, die Gerhard Mack im Laufe der letzten Jahre sukzessive zum Werk von Herzog & de Meuron vorgelegt hat, ist das anders. Mit Band 5 ist Ende letzten Jahres endlich der Lückenschluss der Jahre 2002 bis 2004 der opulenten Folge erschienen. Mit den Projekten in China, Spanien und England rückt hier der Städtebau und die Entwicklung ganzer Stadtviertel in den Fokus der Betrachtung des 1978 von Pierre de Meuron und Jacques Herzog gegründeten Büros – inzwischen um diverse Senior Partners, Partners und Associate Partners angewachsenen.

Jedes Buch für sich genommen ist beeindruckend: Mehr als 300 Seiten, über 1.000 Abbildungen, kleine Häuser, großmaßstäbliche Planungen, Realisiertes und auf der Strecke Gebliebenes. Hinzu kommen Texte und Interviews – all das edel in buntem Leinen gebunden.

Die Fülle an kleinen Bildern, Diagrammen und piktogrammatischen Abbildungen ist dabei ein guter Weg, die jeweiligen Projekte nachvollziehen zu können. So wird die Genese der Bauten klar, ihre Formfindung und die Entwicklung konstruktiver Prinzipien. Gekontert werden diese kleinteiligen Seiten, die aussehen, als wären sie Schnappschüsse von Mood-Boards aus den Entwurfs-Workshops des Büros, durch großformatige Fotografien und wiederkehrende Satellitenbilder, denen zur Verortung der Bauten eine Art Fadenkreuz auferlegt wurde. Das alles hat jedoch seinen Preis: knapp 125 Euro pro Buch.

Gerade die Texte und die Interviews, die Herzog und de Meuron im Laufe der Zeit zu unterschiedlichen Themen verfasst und gegeben haben, sind einem interessanten Reifeprozess unterworfen. Eben jene Bände 1 bis 3 liegen zudem dankenswerter Weise inzwischen als in weiß eingeschlagene Paper-Back-Edition vor – im Set für knapp hundert Euro oder einzeln für etwas weniger als 40 Euro. Für Sammlerinnen und Sammler schöner Bücher etwas weniger ansehnlich im Regal, für all jene, denen es vor allem um die bemerkenswerten Inhalte geht, womöglich genau das Richtige. Scheint es doch auf den ersten Blick gefährlich, in Interviews zu zeitgenössischen Projekten Gesagtes in Buchform zu publizieren, macht aber vor allem der Blick auf die ersten drei Bände deutlich, dass hier eine Art historischer Relevanz entstanden ist, die bei der Einordnung dieses besonderen und umfangreichen Werks sehr hilfreich ist.
David Kasparek

Gerhard Mack: Band 5 Herzog & de Meuron 2002–2004, 304 S., über 1.000 Abb., Birkhäuser, Basel 2020, 124,95 Euro, ISBN: 9783035610055

Gerhard Mack: Band 1-3 Herzog & de Meuron 1978–1996, 754 S., Birkhäuser, Basel 2018, 99,95 Euro, ISBN: 9783035617184

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