16 Stationen. Wanderungen im Remstal

Station 12+13: Korb bis Kernen

Station 12: Korb
Studio Rauch, München
Geokoordinaten: 48.832329, 9.375327

Studio Rauch, Korb, Foto: Andreas Denk

In einem Weinberg hoch über dem Remstal thront der Aussichtsturm, den Stephan Rauch für die Gartenschau im Remstal konzipiert hat. Ausgangspunkt des Entwurfs war ein Wasserspeicher auf der Anhöhe, der nicht überbaut werden durfte. Rauch begriff den Betonquader als gegebene Größe, um die herum er eine zweiläufige Holztreppe legte, die auf die oberste Ebene des Turms führt. Im Zusammenspiel entwickeln die Treppenläufe fast expressionistische Innenansichten, die den Aufstieg zu einem räumlich-visuellen Erlebnis machen.

Studio Rauch, Korb, Foto: Andreas Denk

In der Höhe mehrerer Podeste ist die Hülle des Turms mit verschieden großen quadratischen Öffnungen perforiert, die einen gezielt bildhaften Ausschnitt des Weinbergs, des Ortes Korb, des Remstals ermöglichen. Das oberste Geschoss schließlich öffnet sich mit einer breiten quaderförmigen Öffnung und zwei Quadraten in die Weite der Landschaft und bietet einen beeindruckenden Rundumblick: „Fernsehen in Korb“ hat der Architekt dazu gesagt. Die weißgraue Metallblechhülle des Turms ist mit diagonal aufgebrachten Holzstäben bedeckt, die als Rankgitter für die dem Turm nahen Weinreben dienen, so dass der Baukörper, der im Kontrast zu dem anspruchsvoll gestalteten Innenraum insgesamt etwas unproportioniert und ungelenk wirkt, irgendwann im Grün der Umgebung aufgegangen sein wird.

Studio Rauch, Korb, Foto: Andreas Denk

Station 13: Kernen im Remstal
Kühn Malvezzi, Berlin
Geokoordinaten: 48.787240, 9.32174

Kühn Malvezzi, Kernen, Foto: Andreas Denk

Die Berliner Architekten haben den Ortsbezug ihres Pavillons am nordöstlichen Hang des Kernen mit einer Mehrfachkodierung hergestellt. Der Berg, der dem Zusammenschluss der Gemeinden Rommelshausen und Stetten den Namen gab, wird hier vor allem für den Weinanbau genutzt. Das kleine hausähnliche Gebilde von Simona Malvezzi, Johannes und Wilfried Kühn besteht aus einem Betonsockel mit zwei talseitigen Stufen zum Sitzen, Rahmen aus Lärchenholz und einer ortstypischen Holzschindelverkleidung. Es ähnelt in Typus, Größe und Materialität den Wingerter-Häuschen, den Hütten der Weingärtner in der Region.

 

Kühn Malvezzi, Kernen, Foto: Andreas Denk

Zwei freistehende Holzrahmen vor dem Haus stellen die visuelle Verbindung zu einem talwärts gelegenen Rankgerüst her, das aus den gleichen Elementen besteht. Das Gerüst steht über einem Pflückbeet, das zusammen mit drei anderen Pflanzflächen jeweils mit der Größe der Gebäudegrundfläche den zweiten Teil des Konzepts der Architekten bildet, das mit den Landschaftsarchitekten atelier le balto (Berlin) und lokalen Handwerkern entstanden ist. Das neue Wingerter-Häuschen soll nicht nur als Ausguck in die Ferne, als Wetterschutz, Rastplatz oder Veranstaltungsort dienen, sondern zugleich als Display für die besondere Kulturlandschaft der Gegend.

Kühn Malvezzi, Kernen, Foto: Andreas Denk

Die Sträucher, Bäume und anderen Gewächse, die in den Beeten gedeihen, bieten den Besuchern jahreszeitlich verschiedene Früchte und Beeren zum Selberpflücken an und dokumentieren so die Möglichkeiten der fruchtbaren Böden und des milden Klimas der Region. Dass die Architekten auch die Option auf einen Ausbau des Hauses mit einer Panoramascheibe zum Tal und zwei bergseitigen Portalen ins Auge gefasst haben, belegt den Gedankenreichtum, der in diese Arbeit geflossen ist – einer der besten Beiträge zu den „16 Stationen“.
Andreas Denk

 

Kühn Malvezzi, Kernen, Foto: Andreas Denk

Andreas Denk erforscht in seinem architektonischen Reisetagebuch die 16 „Stationen“ im Remstal und kommentiert die architektonischen Erzeugnisse, die die ungewöhnliche Gartenschau im Schwäbischen hervorgebracht hat. Die bisherigen Stationen finden sich hier:
Station 0: Im Remstal. Ein architektonisches Reisetagebuch
Station 1: Essingen
Station 2+3: Mögglingen bis Böbingen an der Rems
Station 4+5: Schwäbisch Gmünd bis Lorch
Station 6+7: Plüderhausen bis Urbach
Station 8+9: Schorndorf bis Winterbach
Station 10+11: Remshalden bis Weinstadt

Remstal Gartenschau 2019
bis 20. Oktober 2019
Die meisten Gartenschauflächen sind zu jeder Zeit für die Gartenschau-Besucher geöffnet.
Weitere Informationen unter:
www.remstal.de

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